| Netzkritik
| | Wiki Eine einfache Möglichkeit der computergestützten Zusammenarbeit Viele Schulen nutzen bereits die Möglichkeit, etwas von ihrer Arbeit im Netz zu veröffentlichen. Dafür stellen engagierte KollegInnen zumeist solche HTML-Seiten mit Texten und Bildern auf den Schulserver, die möglichst eindrucksvoll die Qualitäten der Schule insgesamt oder einzelner Schulprojekte darstellen sollen. Wesentlich seltener nutzen Schulen das Netz als Lernplattform, obwohl die technischen Hürden dafür inzwischen nur noch niedrig sind. Ohne große Vorerfahrungen kann mit jedem Browser z. B. das kostenlose lo-net2 („Lehrer-Online Netzwerk“) von Lehrer-online genutzt werden, dessen virtuelle Klassenzimmer soeben „renoviert“ und erweitert wurden. (1) Virtuelle Wandtafel Wiki Eine andere Form der Zusammenarbeit, die von immer mehr Online-Communities genutzt wird, ermöglichen Wikis. Alle, die schon einmal etwas in der freien Enzyklopädie Wikipedia nachgeschlagen haben, haben dabei Erfahrungen mit einem Wiki gemacht.(2) Da jedoch sicherlich nicht jeder dessen Funktionsweise erkundet hat, sei sie hier kurz vorgestellt: Ein Wiki kann man sich wie eine virtuelle Wandtafel vorstellen. Jeder kann lesen, was dort geschrieben steht, selber etwas Neues hinzufügen oder auch Geschriebenes kommentieren und verändern. Anders als bei einer Wandtafel kann jeder zudem neue Seiten erzeugen, ohne Kenntnisse von HTML oder einer anderen Sprache haben zu müssen. Schnell kann auf diese Weise eine große Zahl von Seiten entstehen, die vielfältig miteinander verknüpft sind. Alle Veränderungen werden von der Software protokolliert, so dass jederzeit nachvollziehbar ist, wer was wann an Inhalten geändert hat. Der Name Wiki stammt übrigens von wikiwiki, dem hawaiischen Wort für „schnell“. Ein Wiki für die Schule Welche Vorteile hat ein Wiki?(3) Dadurch, dass Ergebnisse veröffentlicht werden, kann bei den SchülerInnen eine größere Motivation geweckt werden. Jede und jeder kann, da die technische Nutzung sehr einfach ist, etwas auf eigene Weise beitragen, sei es nur eine kleine inhaltliche Korrektur, ein zusätzliches Bild oder auch einen längeren Text. Mit der intensiven inhaltlichen Auseinandersetzung erhöhen sich die Chancen für eine verlässlichere Verankerung des Wissens. Die Arbeit an einem Wiki erfordert Teamwork und fördert damit die Sozialkompetenz. Nur bei regem Austausch zwischen den AutorInnen untereinander und Respekt vor den Leistungen der MitschülerInnen kann, im Klassenverband oder einer Projektgruppe, ein Wiki entstehen, das von allen als eigenes Produkt angesehen und wertgeschätzt wird. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Sichtbarmachung von Lernprozessen. Größere Wikis entstehen über längere Zeiträume, innerhalb derer viele Inhalte auch wieder verworfen oder modifiziert werden. So können die SchülerInnen anhand eines Wikis erleben und dokumentieren, wie sich im Laufe eines Schuljahrs oder einer Unterrichtseinheit ihre Kenntnisse und Fähigkeiten erweitert haben. Und noch ein Vorteil: Da für ein Wiki keine lokale Infrastruktur benötigt wird und es im Netz immer zur Verfügung steht, kann jederzeit überall dort, wo ein Internetanschluss besteht, mit ihm gearbeitet werden. Dies gibt LehrerInnen etwa die Möglichkeit, Arbeit am Wiki als Hausaufgabe zu stellen. Auch ist es möglich, dass mehrere Schulklassen, die sich an verschiedenen Orten befinden, in einem Wiki zusammenarbeiten. Vor noch gar nicht langer Zeit wurde für solche Projekte – aus heutiger Sicht mühselig – mit E-Mails und selbst programmierten Webseiten gearbeitet. (4) Und die Nachteile? Der größte Vorbehalt gegenüber einem Wiki besteht darin, dass, da prinzipiell jeder alles verändern kann, Vandalismus und Spam Tür und Tor geöffnet seien. Als Beispiel hierfür werden gerne falsche oder stark tendenziöse Einträge in der Wikipedia genannt.(5) Dem kann erwidert werden, dass dank der Versionsverwaltung jederzeit frühere Zustände wieder hergestellt werden können. Auch besteht die Möglichkeit, den Zugang zum Wiki nur im Intranet der Schule freizugeben oder durch ein Passwort zu schützen. Unverzichtbar ist jedoch immer, dass die Wiki-BetreiberInnen regelmäßig die Qualität ihrer Seiten überprüfen. Erste Wiki-Erfahrungen Wo kann ich ein Wiki ausprobieren? Eine gute Adresse für erste Erfahrungen als „Wiki-Autor“ ist das ZUM-Wiki (ZUM = Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V.). Es ist, nach eigenen Angaben, „eine offene Plattform für Lehrinhalte und Lernprozesse […] [und] dient dem Austausch von Informationen, Erfahrungen und Ideen rund um Bildung, Unterricht und Schule“. Schritt für Schritt wird erläutert, wie Texte eingegeben und formatiert, Bilder hinzugefügt oder neue Seiten ergänzt werden können. Im ZUM-Wiki findet sich auch ein Musikportal, in dem jeder zur Mitarbeit eingeladen ist. Wie komme ich nun zu meinem eigenen Wiki? Wer technisch fit ist oder einen engagierten Administrator an der Schule hat, kann sich sein eigenes Wiki auf dem Server einrichten. Als freie Software steht z. B. MediaWiki zum Download bereit, das für Wikipedia entwickelt wurde. Auf den Seiten von MediaWiki finden sich ausführliche deutschsprachige Informationen zu Installation und Bedienung. Ein Vergleich zwischen unterschiedlicher Wiki-Software findet sich auf der englischsprachigen Seite www.wikimatrix.org. Kostenlos können Wikis auf www.wikihost.org eingerichtet werden. Allerdings wird zusätzlich auf allen Seiten Werbung eingeblendet, was im schulischen Kontext nicht unproblematisch ist. Eine dritte Nutzungsmöglichkeit bietet das anfangs kurz angesprochenen lo-net2. Es enthält neben vielen anderen Funktionen auch ein Wiki. (1) vgl. Sebastian Hahn / Thomas Münch: Immer in Kontakt. Lernen in virtuellen Klassenzimmern, in: Musik & Bildung 4/2002, S. 54-57. (2) Im Wikipedia Portal finden sich alle Informationen zur Organisation von Wikipedia. (3) Die nachfolgenden Überlegungen zu den pädagogischen Chancen von Wikis wurden stark durch die sehr an-regenden Überlegungen von Beat Döbeli angestoßen. Hier ist der ideale Ort, um mehr über Wikis aus pädagogischer Perspektive zu erfahren. (4) vgl. Thomas Münch / Herma Janssen: Ideenbörse "Globales Komponieren", in: Musik & Bildung, 1/1999, S. 34 f. (5) vgl. hierzu beispielhaft: Wikipedia in der Kritik [14.01.07]. Thomas Münch Musik & Bildung 1/2007 |